1683
Wie alles begann.
Die Geschichte rund um den Ursprung des Wiener Kaffeehauses ist eng mit dem Ende der Türkenbelagerung verbunden. Wie immer bei großen historischen Ereignissen sind Legende und Wahrheit oft schwer auseinander zu halten. Gerne wird folgende Version übermittelt: Als Türke verkleidet durchbrach Georg Franz Kolschitzky die feindlichen Linien der Türken um Karl von Lothringen eine wichtige Botschaft zu überbringen. Für diese Heldentat wurde er reichlich belohnt. Mit einem Baugrund, einer Gewerbeberechtigung und mit Kriegsbeute der Türken. Darunter befanden sich unter anderem auch Säcke mit den mysteriösen dunklen Bohnen.Kolschitzky witterte ein Geschäft und so entstand das erste Wiener Kaffeehaus in der Nähe des Wiener Stephansdoms.Zumindest lautet so die Legende,die sich jahrhundertelang gehalten hat. In Wirklichkeit wurde das erste Wiener Kaffeehaus vom armenischen Spion Deodato gegründet.Deodato, ein geheimnisvoller Mann im Dienste des Wiener Hofes, war aufgrund seiner Herkunft mit der Zubereitung der dunklen Bohnen wohlvertraut.
1720
Das Kramersche Kaffeehaus am Graben war das erste, das Zeitungen zum Lesen auflegen ließ. Es lieferte somit den Blue Print dessen, was wir heute als das typische „Wiener Kaffeehaus“ bezeichnen. Obwohl das Kramersche Kaffeehaus ein enges düsteres Lokal war, lockte es mit den Zeitungen eine Vielzahl an illustren Gästen an. Eine Besucherschaft an Literaten, Künstlern und Professoren ergötzten sich an den Nachrichten aus aller Welt. Andere wiederum bevorzugten das Kramersche Kaffeehaus wegen der einzigartig ruhigen Atmosphäre.Wo in anderen Cafés lautstarkes Debattieren an der Tagesordnung war, herrschte im Kramerschen Kaffeehaus konzentrierte Stille und Zeitungsrascheln. Nur bei den Regierenden waren die Zeitungscafés gar nicht wohlgelitten. Nicht nur, dass hauptsächlich regierungs- und monarchiekritische Artikel in den Zeitungen gedruckt waren, wurden in jenen Kaffeehäusern auch Spottpamphlete verteilt.
1803 – 1813
Napoleon veranlasste eine Kontinentalsperre für den Handel mit England. Dumm nur, dass dadurch auch der Zugriff auf die köstlichen Kaffeebohnen fast abgeschnitten wurde. Der Zoll auf Kaffeebohnen wurde so hoch, dass ihn sich kein Kaffeesieder zu leisten vermochte. Kaffeehausbesitzer begannen mit diversen anderen Zutaten den Geschmack von Kaffee zu simulieren. Als Ersatz dienten etwa Zwetschkenkerne, Feigen, Roggen, Gerste und Zichorie. Diesen Ersatzmitteln war jedoch nur mäßiger Erfolg beschieden. Die Kaffeehäuser standen kurz vor dem Ruin. Um die Verluste wettzumachen, wurde es in dieser Zeit den Wiener Kaffeehäusern gestattet, neben Kaffee auch Wein und warme Speisen anzubieten. Das Wiener Kaffee-Restaurant war geboren. 1813 ging ein großes Aufatmen durch die Welt der Kaffeehausgenießer, als das belebende Getränk wieder ausgeschenkt werden konnte.
1815
Das Wiener Kaffeehaus erfuhr eine neue Blütezeit. In der Ära des Vormärz und des Biedermeier wurde das Wiener Kaffeehaus in ganz Europa zum „Inbegriff der Lebensqualität“. In Prag, Zagreb, Verona, Triest und Venedig sprossen Kaffeehäuser nach Wiener Vorbild aus dem Boden. Große Säle, rot-samtige Sitzbezüge, Leuchter an den Wänden und prunkvolle Kristallluster waren die Ingredienzien, die für ein Kaffeehaus von Welt unverzichtbar geworden waren
1856
Endlich wurde Frauen der Zugang zum Kaffeehaus gestattet. Das „Cafe Français“ ließ die Türen seines Kaffeehauses auch für Damen offen stehen. Hier waren die einst sehr strengen Regeln, was den Besuch von Frauen in den Kaffeehäuser betraf, aufgehoben.
Heute
Das Wiener Kaffeehaus boomt wie noch nie.Neben
Walzerklängen von Johann Strauss erklingt jetzt auch
moderner DJ-Sound.
Mehr denn je sehnen sich die Leute nach einer
kleinen Verschnaufpause mit einer gemütlichen Tasse
Kaffee.
Herzlich willkommen im Melange.